![]() | Professor Maurer studierte Mathematik an den Universitäten Wien und Calgary, Kanada. 1963 war er als Systemanalytiker bei der Regierung von Saskatchewan, Kanada tätig. 1966 wurde er als Professor für Informatik an die Universität Calgary berufen. Von 1971 bis 1977 lehrte er an der Universität in Karlsruhe, bevor er die Leitung des IICM der TU Graz übernahm. Seit 1982 ist Hermann Maurer Vorstand des Forschungsinstitutes der österreichischen Computer Gesellschaft und seit 1990 Leiter des Instituts für Hypermediasysteme. Neben seiner Lehrtätigkeit ist Professor Maurer Verfasser von zahlreichen Publikationen, über 400 wissenschaftlichen Artikeln und Herausgeber von Fachzeitschriften, wie zum Beispiel "JUCS" (Journal of Universal Computer Sciences). Darüber hinaus arbeitet er in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten und Programmkomitees internationaler Tagungen mit. |
![]() | Kurzinfos:
and much much more at: http://www.iaik.tugraz.at/aboutus/people/poschkc/index.php |
Seit Beginn dieses Jahres hat die TU-Graz endlich eine eigene Informatik-Fakultät. Zu diesem Anläßig interviewte das TU-Info die beiden frisch gebackenen Dekane Hermann Maurer und Karl Christian Posch.
Die Fakultät besteht aus folgenden Instituten:
Institut für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie (IAIK)
Kern-Kompetenz: Computersecurity, VLSI-Design, E-Government;
Professoren
Reinhard Posch (Instituts-Vorstand): CIO (Chief Information
Officer) der Bundesregierung, zuständig für E-Government. Er war Vize-Präsident des Arbeitskreis für Computer-Security und damit jahrelang international der zweit wichtigste Fachmann für Computer-Security. Seine internationale Reputation ist auch durch das weithin bekannte Instituts-Personal, wie z.B. Vincent Rijmen - AES-Mitschöpfer (Anm.d.Red.: AES ... Advanced Encryption Standard) merkbar.
Karl Christian Posch (Vize-Dekan)
Instituts-Thematiken: Digitale Bildverarbeitung, Virtual Reality,
Augmented Reality;
Professoren:
Franz Leberl (Vorstand): Auf dem Gebiet der Bildverarbeitung ist
er einer der führenden Leute. Er gründete mehrere Firmen sowohl in Amerika als auch in Oesterreich. Momentan Halbkarenziert;
Horst Bischof: ... ist auf visuelle Bildverarbeitung
spezialisiert. (siehe auch Interview mit ihm) Seit Beginn des Jahres ist er als ordentlicher Professor (vorher seit WS 01 als Gastprofessor) am Institut.
Institut für Grundlagen der Informationsverarbeitung (IGI):
Fachgebiet: Machine Learning, neuronale Netze und deren
Anwendungen;
Professoren:
Wolfgang Maass (Vorstand): als Wissenschaftler einer der
angesehensten und anerkanntesten an der TU. Er findet sich in der Liste der zehntausend meistzitierten Informatiker der Welt.
Franz Aurenhammer: ... besitzt eine sehr hohe wissenschaftliche
Qualität, beschäftigt sich mit sehr interessanten theoretischen Randdisziplinen.
Institut für Softwaretechnologie (IST):
Institut hat noch eine gewisse Färbung von Prof. Lukas
(theoretische Aspekte der Softwaretechnologie).
Professoren:
Wolfgang Slany (siehe eigenes Interview)
Beide waren bereits als sehr junge Forscher anerkannt und
kommen aus der Schule von Georg Gottlob (TU-Wien, Spitzeninformatiker in Österreich, laut Maurers Einschätzung, nach Rückzug Buchbergers möglicherweise der bekannteste und beste Informatiker Österreichs)
Kompetenz liegt in Vernetzung von Informationen über Internet (Stichworte: E-Learning, Dig. Bibliotheken)
Professoren/Dozenten:
"Dinosaurier" Hermann Maurer (Vorstand): Multimedia-Bereich;
aktuell vor allem Digitale Bibliotheken und E-Learning; Grazer Digital-Library-Projekt in Planung (Skripten, Vorträge usw. öffentlich zugänglich machen - inkl. Middleware) - hauptsächliche aber für Forschung, Lehre und Lernen.
Keith Andrews: Benutzer-Schnittstellen, Ergonomie
gerade Professur für Wissensmanagement in Vorbereitung - sollte
in Kürze abgeschlossen sein.
--- Ausblick auf Kommendes: ---
bis Ende nächsten Jahres:
- Berufungen der angesprochenen Professoren
- weiteres Ziel der Fakultät wäre ein Institut, verbunden mit einer
im Bereich StudiumProfessur für angewandte Softwaretechnologie, noch zusätzlich zu schaffen;
nach nächstem Jahr:
- Kompetenzen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz bündeln.
- Durch die Halbkarenz von Reinhard Posch wird noch eine Professur
für Computer-Sicherheit besetzt um die dortige Kompetenz noch weiter zu verstärken.
Für die Studierenden der beiden Studienrichtungen Telematik und
Softwareentwicklung/Wissensmanagement wird auf Grund folgender Punkte eine bessere Betreuung als heute möglich werden:
- Grundvorlesungen für die beiden Studienrichtungen können getrennt angeboten werden (z.B. Informatik, Programmiereinführungen) - sowohl aus Gründen der fachlichen Differenz zwischen den Studien als auch wg. der Hörerzahlen.
Bei Softwareentwicklung gibt es derzeit nur ein einjähriges
Masterstudium. Wenn die Kapazitäten vorhanden sind, dann soll dieses um ein zweijähriges Diplomstudium ergänzt (nicht ersetzt!) werden.
weiterer Ausbau des noch jungen Softwareentwicklung-Studiums;
Es sind natürlich noch weitere Pläne vorhanden aber es ist noch etwas zu früh um konkret darüber zu diskutieren (wie etwa ein neuer Studiengang Mechatronik).
verstärkte Zusammenarbeit innerhalb der Fakultät, wie z.B. Einsparungen dadurch erzielen, dass Geräteanschaffungen besser koordiniert werden, somit Synergien ausgenutzt und schlussendlich Geld gespart wird.
genannte "assoziierte Mitglieder" angeworben werden - d.h. Mitglieder von anderen Fakultäten mit informatischem Hintergrund werden eingeladen, Kooperationen mit unserer Fakultät einzugehen und somit für beide Seiten möglichst grossen Lerneffekt und auch Einsparungen durch Zentralisierung von Kompetenzen zu erzielen.
"assoziiert" ist in diesem Zusammenhang noch etwas schwammig
definiert und bedeutet in erster Linie einmal eine Art Glaubensbekenntnis zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung (z.B. Gerätesharing wo sinnvoll);
in diesem Zusammenhang wären zu erwähnen:
Problem: Das zahlenmäg'ge Verhältnis von Professoren zu Studenten ist in der Informatik im Vergleich zu anderen Fakultäten sehr schlecht. Deshalb werden wahrscheinlich einige natürliche Abgänge in anderen Bereichen in die Informatik verlagert werden.
Fakultätssitzungen durch semesterweise Informationsveranstaltungen verbessert werden.
die Inseln sollen sich kohärenter darstellen lassen;
Das hierarchische Modell wie die Universität strukturiert ist (= zerteilt sich in Fakultäten) ist zwar nach wie vor vorhanden. Allerdings soll auch vermehrt auf gemeinsame Strukturen/Interessen von Instituten eingegangen werden, da sich diese durchaus oft überlappen und somit auch ausgenutzt werden sollten (sowohl intern als auch mit den angesprochenen assoziierten Mitgliedern).
Es soll also die Kommunikation zwischen den Gruppen verbessert werden und somit die, natürlich nach wie vor vorhandenen organisatorischen Strukturen möglichst abgeflacht werden, um damit zu möglichst vielen Win-Win Situationen zu kommen - der Austausch untereinander wird für alle Beteiligten Gewinn bedeuten.
Schnittstelle zwischen Lehre/StudierendenDie Hemmschwellen Lehrende anzusprechen muss schneller abgebaut
werden. Vor allem österreichische Studierende haben oft Probleme damit, allerdings gibt es auch noch teilweise Widerstände seitens der Lehrenden (häufige Ausrede: viel zu viel Zeitaufwand...)
Einladung an die Studierenden zu den Kolloquien: Dadurch bietet sich die Möglichkeit interessante Menschen zu interessanten Themen sprechen zu hören. Dadurch erhält man auch die Chance herauszufinden, was für einen selbst jetzt und/oder in Zukunft interessant ist/sein könnte. Schlussendlich kann man sich auch mit den Vortragenden/Zuhörern austauschen.
... gibt zu bedenken, dass vor Kurzem erhoben wurde, dass 50% der an der TU-Graz angebotenen Lehrveranstaltungen von zwei (2) oder weniger Hörern besucht werden. Dies bietet Einsparungspotential indem man z.B. solche Lehrveranstaltungen statt im Jahresryhthmus im Zweijahresrhythmus abhält.
Durch Umstrukturierungen innerhalb der TU kann sicherlich gewährleistet werden, dass kein Studiengang schlechter wird. Aber natürlich bedeutet es schon, dass hier und da angefallene historische Überkapazitäten abgebaut werden müssen. (Stichwort: natürlicher Abgang).
Einige Fakultäten (hoffentlich bald alle) sehen die Informatik-Fakultät nicht als Bedrohung sondern als Chance - z.B. könnten in diversen Studienrichtungen, und somit im Moment auch auf verschiedenen Fakultäten angebotene Informatikvorlesungen durchaus an der Informatik-Fakultät zentralisiert und somit auf dauerhaft hohem Standard angeboten werden. Gerade hier sieht Prof. Maurer einen hohen Grad des Verständnisses, dass natürlich auch entsprechende Kapazitäten geschaffen werden müssen um diese Aufgaben übernehmen zu können.
Er sieht hier auch eine gewisse Dienstleistungsverpflichtung unserer Fakultät gegenüber anderen (Übernahme von fachspezifischen LVen).
der Professoren schon in der gleichen Grössenordnung ist wie die der Studenten. Bei solchen Studien sollte man sich vielleicht auch genauer ansehen ob eventuell nicht gleiche oder ähnliche Studien an anderen Universitäten / Fachhochschulen angeboten werden, damit diese an einem Ort für alle Interessierten angeboten werden können.
Trotzdem gibt es natürlich auch Studienrichtungen die zwar wenige Studenten haben, allerdings aus deren einzigartiger Stellung - Beispiel Hochspannungstechnik wird nur an TU Graz angeboten - natürlich durchaus weiterhin ihre Berechtigung haben und deshalb bestehen bleiben sollten.
Diese Umstrukturierungen sind schwierig und müssen genau von Fall zu Fall betrachtet werden. Jedoch ist Maurer überzeugt, dass damit zumindest mittelfristig durchaus noch einige Kapazitäten freigesetzt werden können.
... sieht den derzeitigen Umbruch (sowohl gesamtheitlich als auch auf die neue Fakultät bezogen) gerade im Vergleich mit anderen Universitäten sehr positiv umgesetzt. Anscheinend sitzen recht pragmatische Personen an den Entscheidungsstellen, die sehr wohl im Hinterkopf haben, dass hier eine neue, bessere Universität gebildet werden soll und die sich nicht durch die äusseren Einflüsse zu einer Eskalation verleiten lassen.
Schlussendlich wird jetzt versucht auf Grundlage der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen eine funktionierende Organisation aufzubauen und die Diskussion über das Gesetz an sich jetzt einmal ruhen lassen. Es werden die neuen Reglementierungen durchaus auch als Auftrag gesehen sich zu behaupten und z.B. durch andere Massnahmen wie Drittmittelbeschaffung und wirtschaftliche Kooperationen den Betrieb aufrecht zu erhalten und somit sich selbst zu bestätigen.
... hat diesbezüglich gegenüber dem Rektorat den Vorschlag gemacht, ein "Fund Drive" zu absolvieren, wie es z.B. in amerikanischen Universitäten schon längst Usus ist. Deren Situation, dass schon jede Parkbank mit einer Plakette versehen ist, ist natürlich nicht unbedingt das Ziel. Allerdings wird durchaus auch von ihm angestrebt, dass z.B. Finanzen beschafft werden indem in Hörsälen Plaketten angebracht werden (Logo der Firma + Firmenname und Inschrift wie "Dieser Hörsaal wurde von der Firma X unterstützt als Zeichen der guten Kooperation zwischen der Technischen Universität und der Wirtschaft"). Vermietung von Werbeflächen in Hörsälen wären allerdings nicht in seinem Sinne.
Andererseits wurde auch schon überlegt ob z.B. klassische Plakatwerbung an der Universität gemacht werden sollte. Allerdings spricht gerade in Österreich dagegen, dass 75% des Erlöses aus derartiger Werbung dem Bund zufliessen und dies damit auf jeden Fall nicht sehr lukrativ wäre.
... hält ein Common Year für alle Fakultäten, wenn man dreijährige Bakkalaureate hat, nicht für durchführbar. Man kann dies möglicherweise, wenn man will, innerhalb einer Fakultät machen - Die Frage ist, was man mit einer derartigen Massnahme erreichen will - dies wurde noch viel zu wenig klar dargestellt.
Eine Interpretationsvariante wäre, dass man feststellen könnte, ob jemand für ein Studium geeignet ist oder nicht. Sozusagen eine Art Numerus Clausus nach einem Jahr. Dies wird von Prof. Maurer aber nicht für sinnvoll erachtet.
Eine andere Variante wäre, dass eine oder zwei Vorlesungen deklariert werden, welche als bekannt schwierig gelten. Wenn diese nun im ersten oder auch in den ersten beiden Semestern mit guter Note absolviert werden, dann erhält man mehr oder minder einen "Persilschein", da man damit vermitteln könnte, dass wenn in der Qualität weitergearbeitet wird das Studium in der Regelzeit plus/minus Epsilon abgeschlossen werden kann. Dieses Modell wurde allerdings noch nie angesprochen.
Eine andere Funktion die dem Common Year zugedacht sein könnte, wäre die der Vermittlung von Allgemeinbildung an der TU. Dies würde dem Bestreben der Studienzeitverkürzung entgegenlaufen.
Weitere Möglichkeit: Die Studierenden wissen jetzt wenn sie an die Uni kommen, nicht genau was sie studieren sollen. Deshalb soll ihnen ein möglichst breites Lehrangebot präsentiert werden, sozusagen als Entscheidungshilfe. Da wäre dagegen zu sagen, dass natürlich einerseits berechtigt die Frage aufkommen würde: "Was interessiert mich Chemie/Geografie/Informatik/... wenn ich X studieren möchte?" Trotzdem ist dies wahrscheinlich die Variante die den meisten Beteiligten vorschwebt, welche aber von Prof. Maurer für gefährlich gehalten wird, da er aus persönlicher Erfahrung sagen kann, dass vielfach die Entscheidung welches Studium nun ausgewählt wird, viel weniger mit den fachlichen Interessen zu tun hat, sondern oftmals viel mehr mit persönlichen (z.B. was machen Freunde, Bekannte). Aber auch die Qualität des Vortrags einzelner Lehrender würde zu stark in die Entscheidung einfliessen, da dann zu sehr der Vortrag und zu wenig der Inhalt des Vortrags bewertet würde.
Insgesamt also wird das Common Year von Prof. Maurer sehr ambivalent betrachtet, vor allem solange noch nicht genauer geklärt ist, was denn genau damit erreicht werden soll.
... erklärt, er selbst habe E-Technik studiert als die Uni noch Hochschule genannt wurde und damals die grosse Bestrebung war, weg von der Ingenieursschule hin zur Spezialisierung. Nun ist die Trennung vollzogen und es gibt wenige Gemeinsamkeiten der verschiedenen Disziplinen. Deshalb wäre so ein Common Year eher ein Schritt in die Vergangenheit, um eine Art gemeinsame Ingenieursbasis wieder herzustellen.
Letztendlich wäre neben den bereits gesagten Argumenten nochmals zu betonen, dass so eine Neuerung zweifelsohne das Studium verlängern würde, wohingegen aber alle derzeitigen Bestrebungen genau in die andere Richtung verlaufen und sich somit schon grundsätzlich ausschliessen.
In Amerika ist die Antwort darauf: Die Universität hat 26-28 Wochen Betrieb im Jahr. Das heisst, die Teilzeitarbeit soll in der anderen Hälfte des Jahres erfolgen. Ich habe selbst drüben studiert und während des Studienjahres habe ich arbeiten müssen wie ein Depp, sonst wäre ich nicht mitgekommen. Im Sommer habe ich dann eben einen Job angenommen und habe damit durchaus genug verdient, um damit das nächste Semester zu finanzieren. Da ist dann wirklich die Frage: "Wo ist die Teilzeitarbeit?". Verlege ich sie in die Ferien oder in die Zeit des Studiums.
Wenn man sich nun drauf einigt, dass diese Teilzeitarbeit auch während der Studienzeit stattfindet, muss man sich überlegen, ob man teilweise die körperliche Anwesenheit durch eine virtuelle Teilnahme ersetzten kann. Es muss sich also nicht unbedingt widersprechen. Der immanente Prüfungscharakter kann durchaus erfüllt sein, indem man alle zwei Wochen etwas abzugeben hat. Vielleicht muss es also nicht Präsenzpflicht bedeuten, aber dann müssen die Übungen halt in dieser Zeit, auch wenn man arbeitet, z.B. am Computer erledigt werden. Dabei können dann eben Sachen wie e-learning ins Spiel.
Weiters verstehe ich nicht, warum die Höhe der Studiengebühren - und ich war immer für Studiengebühren - unabhängig ist von der Anzahl der Vorlesungen, die man belegt.
An jeder vernünftigen amerikanischen, kanadischen oder neuseeländischen Universität zahlt man Studiengebühren pro Kurs, den man belegt, und wenn man nach drei bis vier Wochen ausscheidet, weil der Kurs nicht den Erwartungen entspricht, bekommt man das Geld zurück. Damit wäre natürlich auch für mehr Gerechtigkeit für Teilzeitstudierende gesorgt.
Deshalb verstehe ich nicht, dass es nie eine Protestwelle gegen diese vereinheitlichten Studiengebühren gegeben hat. Auch für Erwachsene Studierende wäre eine Kurs-orientierte Gebührenregelung gerechter. Ich bin daher der Meinung, man sollte die Studiengebührendiskussion wieder aufrollen, in die Richtung, dass sie nicht mehr pro Semester sondern pro Vorlesungsstunde berechnet werden sollten.
Ich möchte noch eine andere Komponente in die Diskussion einbringen. Für mich bedeuten die VUen eine Kopplung von Vorlesungs- und Übungsteil. Es hat nämlich keinen Sinn nur einen Teil zu machen. Der Vortragende tut sich auch viel leichter, wenn er ungefähr weiss, wann der Stoff geübt wird, da er auf Erfahrungen aus den Übungen eingehen kann.
Das macht die gesamte Veranstaltung effizienter. Von dem Aspekt her sehe ich es positiv, aus Sicht des Lehrers. Aus Sicht der Studierenden würde ich es auch nicht entkoppeln wollen, da es keinen Grund gibt, es zu entkoppeln. Früher hat man es oft getrennt, was oft dazu geführt hat, dass die Inhalte von Vorlesung und Übung auseinander gelaufen sind. Und das sollte nicht sein. Ein Studierender sollte, auch wenn er während des Jahres arbeitet, sich sagen: "z.B. Monatg und Mittwoch nehme ich mir Zeit für diese VU. Und Dienstag, Donnerstag und Freitag halte ich mir frei, weil ich ja noch arbeiten muss."
Ich glaube jedoch, dass man im Bakkalaureatsstudium darauf verzichten sollte, nebenbei zu arbeiten. Man sollte versuchen diese drei Jahre durchzuziehen und erst dann arbeiten zu gehen. Oder ich gehe davor arbeiten.
Für Magisterstudien sehe ich es allerding ganz anders. Dort sollte
die Universität wahrscheinlich den Markt aufgreifen und berufsbegleitend Studien anbieten, wie es auch international üblich ist. Magisterstudien sollte es also auch in Modellen geben, wo man nebenbei arbeiten kann. Vielfach besteht ja auch der Wunsch - durchaus auch von Firmen - dass die Fortbildung in Form eines Universitätsstudiums erfolgt. Da sollte die Universität diesen Markt aufgreifen, wie es auch andere schon machen. Die Donauuniversität Krems ist da sehr erfolgreich.
VUs - also die Kopplung von Übunginhalt mit dem Vorlesungsinhalt - sehe ich allgemein sehr positiv.
Die Klausuren, die unter der Woche während des Tages angesetzt sind, stellen für arbeitende Studierende natürlich ein echtes Problem dar. Eine andere Frage ist, wie man diese Klausuren handhabt. Wenn ich an meine amerikanische Zeit zurückdenke, waren diese Zwischenklausuren bei den Studierenden beliebt, weil es eben bedeutet hat, dass man sich immer auf ein kleines Lernpaket hat konzentrieren können. Damit war dieses Lernpaket abgeschlossen und das nächste mal gab es ein neues Lernpaket. Diese kleinen Teile sind natürlich leichter zu verkraften als eine grosse Prüfung. Ausserdem wurden die Resultate gemittelt.
Wenn jede Prüfung eine Knockout-Prüfung ist, ist das ein unfaires System. Da sollten wir schon viel diskutieren. Weiters sollten wir darüber sprechen, wie viel wir virtuell machen können. Wir haben ja im Bakkalaureat die Regelung, dass mindestens 50% prüfungsimmanent sein müssen. Halten wir uns an diese! Das bedeute aber, dass das jene Veranstaltungen sind, auf die man sich wirklich konzentrieren muss.
Das heisst, man soll danach trachten diese 50% pro Semester sicher zu erreichen. Vorlesungen die darüber hinaus gehen kann man dann gegebenfalls aufschieben. Das heisst natürlich auch, dass Personen die dieses Pensum in einem Semester nicht schaffen, wahrscheinlich mit dem Studium überfordert sind. Daher sollte der Anteil an VUs - auch in den ersten Semestern - zwei Drittel nicht übersteigen. Dies sollte aber in den Studienkommissionen diskutiert werden.
Zum Beispiel könnte man bestimmte Lehrveranstaltungen - dies wären dann wohl vor allem die VUen - als besonders wichtig kennzeichnen. Diese müssen dann wirklich in der vorgesehen Zeit absolviert werden. Wenn man die nicht schafft, dann stimmt offensichtlich etwas nicht. Die anderen Lehrveranstaltungen sollte man machen, aber im Notfall können diese auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Vielleicht läuft da bisher etwas strategisch falsch. Es ist aber für Vortragende schon frustrierend, wenn Möglichkeiten, die angeboten werden, nicht aufgegriffen werden. Möglicherweise gibt es auch seitens der Studierenden eine zu grosse Scheu Professoren anzusprechen. Daher bitte ich alle Studierenden diese Angebote anzunehmen.