Interview Mit Prof. Bischof

Anlässlich der Gründung einer neuen Informatikfakultät ein Interview mit Prof. Bischof

Über Prof. Horst Bischof

Prof. Bischof ist seit Jänner dieses Jahres Vertragsprofessor am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen (ICG), nachdem er dort schon 2 Jahre als Gastprofessor gewirk hat. Zuvor war er an der TU-Wien beschäftigt, wo er nicht nur an vielen Projekten beteiligt war sondern auch zahlreiche Diplomarbeiten und Dissertationen betreut hat. Durch unzählige Publikationen hat er sich auch einen ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf erarbeitet.

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beschreiben Sie in kurzen Worten - möglichst fuer Nicht-Telematiker/Softwareentwickler verstaendlich, was an Ihrem Institut geforscht und gelehrt wird
Prof. Bischof
Wir arbeiten im Gebiet Computervision und Computergrafik. Ich konzentriere mich hauptsaechlich auf die Teilgebiete Objekterkennung, Biometrie, Ueberwachung sowie Anwendungen im Bereich der Medizin und Robotik. Der Vorteil von unserem Institut ist, dass wir sowohl die Computergrafik als auch die Computer Vision abdecken. An den meisten anderen Universitäten sind die beiden Bereiche auf zwei Institute aufgeteilt. Daher können wir sehr nette Projekte - z.B. im medizinischen Bereich - abwickeln, die sonst nur schwer möglich wären.
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Was kann Ihr Fachgebiet in der Zukunft an Neuerungen für den Alltag bringen?
Prof. Bischof
Im Moment sind wir so weit, dass die Bildverarbeitung unter Laborbedingungen sehr gut funktionieren. Also im industriellen Umfeld gibt es kaum noch gröbere Probleme. Gröbere wissenschaftliche Probleme entstehen, wenn man mit diesen Systemen in die Welt hinausgehen will, also z.B. autonome Roboter damit ausstatten will. Wenn man sich zum Beispiel das gerade abgelaufene DARPA-Projekt (autonome Fahrzeuge sollten komplett eigenständig eine bestimmte Strecke mit einer vorgegeben Mindestgeschwindigkeit zurücklegen, Anm. d. R.) ansieht, bei dem kein Teilnehmer das Ziel erreicht hat, kann man durchaus annehmen, dass die Computer Vision eines der Hauptprobleme war. Dies wird also die große Herausforderung der nächsten zehn Jahre sein. Im Bereich Objekterkennung versuchen wir im Moment das Problem Störungen - veränderliche Lichtverhältnisse, Objektüberlagerungen, usw. - in den Griff zu bekommen. Ein anderes großes Thema ist der Bereich Kategorisierung. Individuelle Objekte zu erkennen, hat man schon ganz gut im Griff. Problematisch ist es noch Objekte zu kategorisieren. Es ist z.B. gut möglich einen bestimmten Schlüssel wieder zu erkennen. Herauszufinden ob es sich bei einem unbekannten Objekt um einen Schlüssel handelt, funktioniert aber noch nicht. Aber genau so etwas ist notwendig um flexible Vision Systeme zu entwickeln.
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Welche Lehrveranstaltungen bieten Sie an?
Prof. Bischof
Im Moment biete ich im Wesentlichen spezielle Lehre im Bereich Bildverarbeitung an. Da wäre "Robot Vision"; dabei geht es um 3D-Sehen. Dann gibt's "AK aus Vision", wo's hauptsächlich um Objekterkennung geht. Weiters gibt's das "Seminar Mustererkennung". In der Grundlehre halte ich die "Visuelle Informationssysteme" für die Studierenden der Softwareentwicklung/Wissensmanagement. Weiters halte ich die "Neuronale Netze" am Institut für Grundlagen der Informationsverarbeitung. Außerdem biete ich natürlich die üblichen Sachen wie Seminar/Projekte an.
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Wie stehen Sie zum Thema Lehrveranstaltungsevaluierung?
Prof. Bischof
Ich habe bisher alle LVen die ich gehalten habe evaluieren lassen und auch die Ergebnisse freischalten lassen. Für mich sind sie durchaus als Feedback interessant, da es einfach gewisse Dinge gibt, die lieber anonym gesagt werden; auch wenn ich versuche möglichst offen zu sein. Außerdem liest man natürlich auch immer gerne positive Rückmeldungen.
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Wie sind Sie mit der Prüfungsabmeldemoral zufrieden?
Prof. Bischof
Bisher hatte ich damit keine gröberen Probleme. Natürlich kommt es immer wieder vor, dass sich Leute anmelden und dann nicht erscheinen - dann hab ich halt ein paar Zettel zu viel kopiert.
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Wie sind Sie mit der Anwesenheit der Studierenden in den Vorlesungen zufrieden?
Prof. Bischof
Toll! Das ist eines der Dinge, die mir sehr positiv aufgefallen sind. Die Studierenden scheinen, im Vergleich zu Wien, fleißiger zu sein. Außerdem scheinen die Leute für unser Fachgebiet fachlich viel besser gerüstet zu sein. Dies mag daran liegen, dass Telematiker - mit denen ich es bisher hauptsächlich zu tun hatte - auf Grund des elektrotechnischen Hintergrundes einen bessere Mathematikausbildung genossen haben. Dies ist auch für unser Forschungsgebiet nicht gerade hinderlich. Aber vor allem mit der Anwesenheit bin ich sehr zufrieden. Wie das nun in den Einführungsvorlesungen aussieht, weiß ich natürlich noch nicht. Aber in den Spezialvorlesungen bin ich sehr zufrieden. Inwieweit das allerdings mit der Einführung der Studiengebühren zusammenhängt, kann ich allerdings nicht abschätzen. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass Telematiker auch mal schnell was löten können. Dies ist eine Fähigkeit, die auch wir durchaus manchmal brauchen können. Ich persönlich halte mich auch von Hardware eher fern - Tastatur geht gerade noch.
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Welche Erfahrungen haben Sie mit VUen?
Prof. Bischof
Das ist ein zweischneidiges Schwert. Die Intention dahinter ist, dass man die Studierende dazu bringen will, die Lehrveranstaltung in einem Semester durchzuziehen, was positiv ist. Andererseits will man natürlich nicht ein komplett verschultes System schaffen. Wie das im Detail läuft, werde ich erst dieses Semester bei "Visuelle Informationssysteme" sehen.
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Wie haben Sie geplant diese VU anzulegen?
Prof. Bischof
Es wird eine Zwischenprüfung, eine Endprüfung und einen Reparaturtermin geben. Damit reagieren wir auf die Kritik, die es im Vorjahr an BACG (dies ist die entsprechende Vorlesung für Telematiker Anm. d. R.) gegeben hat. Man muss aber bei den ersten beiden Terminen anwesend sein, um beim Reparaturtermin antreten zu dürfen. Außerdem stellen wir am Anfang des Semesters die Übungbeispiele vor, um den Aufwand transparent zu machen.
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Arbeiten Sie bereits in Universitätsgremien mit bzw. haben Sie entsprechende Ambitionen?
Prof. Bischof
Ich werde in der neu gegründeten Curricula-Kommission sitzen, sobald diese offiziell konstituiert ist. Es hat allerdings schon eine erste Sitzung stattgefunden. Dort sehe ich mich vor allem als Vertreter der Informatik Fakultät. Außerdem werde ich künftig auch die Leistungsstipendien betreuen.
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Wie stehen Sie zum Mitspracherecht der Studierenden in den Universitätsgremien?
Prof. Bischof
Nachdem ich noch im alten UOG (Universitäts-Organisationsgesetz Anm. d. R.) aufgewachsen bin, ist es für mich klar, dass Studierende auch ihre Stimme haben sollen. Ich habe aber auch das Gefühl, dass unser neuer Rektor die Situation mit sehr viel Fingerspitzengefühl meistert.
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Angenommen es wäre Weihnachten: Welche Studierenden würden Sie sich wünschen?
Prof. Bischof
Das ist eine gute Frage. So ad hoc fällt mir dazu wirklich nichts ein. (Nach längerem Nachdenken) In der Spezialvorlesung bin ich ja wirklich sehr zufrieden. Manchmal würde ich mir aber ein bisschen mehr Mitdiskussion wünschen.
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Wie schneidet die TUG im Vergleich mit den Universitäten, an denen Sie schon gewirkt haben, bezüglich Forschungsmöglichkeiten ab.
Prof. Bischof
Die TU-Graz ist im Vergleich zur TU-Wien relativ überschaubar. Es ist alles ein bisschen familiärer. Dadurch sind Kooperationen mit anderen Instituten viel leichter zu erreichen. Das schätze ich sehr.
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Was halten Sie von der geplanten Einführung eines "common year" (siehe auch Artikel zur neuen Informatik-Fakultät), das ja bedeuten würde, dass alle Studierenden der Universität im ersten Studienjahr das gleiche Studienprogramm absolvieren sollen.
Prof. Bischof
Das kommt drauf an. Ein common year für die informatiklastigen Studien kann ich mir vorstellen. Ein common year über die ganze TU ist Schwachsinn, weil einfach die Anforderungen an die einzelnen Studienrichtungen zu verschieden sind.
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Was hat Sie bewogen nach Graz zu kommen?
Prof. Bischof
Einerseits wurde ich von Prof. Leberl eingeladen an seinem Institut mitzuarbeiten. Andererseits war aber natürlich auch ein ausschlaggebender Faktor, dass meine Familie - meine Frau stammt ja aus der Grazer Umgebung - gerne nach Graz kommen wollte. Ein weiterer Grund war sicher, dass ich mir erhoffte durch die Zusammenarbeit mit Prof. Leberl, neben seinen einschlägigen fachlichen Qualifikationen mir auch einiges von seiner Kompetenz im Bereich Management abschauen zu können.
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Welche menschlichen Eigenschaften würden Sie sich zuordnen? Welche Hobbies haben Sie?
Prof. Bischof
Geboren wurde ich in der Schweiz, wo ich allerdings nur ca. ein halbes Jahr meines Lebens verbrachte. Danach wuchs ich in der Steiermark auf. Mein Informatikstudium absolvierte ich in Wien. Zwar interessierte ich mich auch für die Telematik in Graz, jedoch war die Studienrichtung damals noch sehr neu, was ich persönlich als Nachteil sah, und mich deshalb anders entschied. Meine Diplomarbeit absolvierte ich an der ?BoKu Wien. Im Laufe der Zeit wandelte sich mein Interessensgebiet von ursprünglich Neuronalen Netzen Richtung Bildverarbeitung wo ich auch heute noch tätig bin. Ich bin verheiratet, habe zwei Söhne (14, 9) und wohne derzeit in Eggersdorf. Neben der Familie sind meine Hobbies hauptsächlich sportliche Betätigungen wie Laufen und Radfahren.
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Vielen Dank für das Interview und auf eine gute Zusammenarbeit!

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